Was hat das jetzt miteinander zu tun? Du machst doch Social Media Management und Marketing? 

Ja, das stimmt. Aber es ist nun einmal so, dass das eine nicht ohne das andere geht. Schau mal, Du lernst weder im Studium der Veterinärmedizin noch in der Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten irgendetwas das zum Thema eigene mentale Gesundheit, Stressmanagement oder Preiskommunikation. Geschweige denn BWL. Für mich essentielle Themen, die dabei sein sollten!

Warum? In der Veterinärmedizin arbeiten wir in einem hochemotionalen Bereich. Haustiere sind Familienmitglieder. Sie kommen in die Praxis oder Klinik, wenn sie ein Problem haben. Die „Der Doktor und das liebe Vieh“ aka James Herriot Momente, in denen nur eine Impfung ansteht oder das neue Familienmitglied vorgestellt wird, sind im Arbeitsalltag selten. In den meisten Fällen liegt eine schwerwiegende Erkrankung vor. Gerade, wenn Du in einer Klinik oder in einer spezialisierten Praxis arbeitest. 

Für Dich als Mitarbeiter geht der potentielle Stress schon bei der Terminvereinbarung los. „Mein Haustierarzt hat mich zu Ihnen überwiesen, weil mein Rex ganz krank ist!“ Der Besitzer ist aufgeregt, besorgt und ruft unter extremen emotionalen Stress an. Stress, weil er Angst um sein Tier hat und Angst vor den Kosten, die bei einer Weiterbehandlung auf ihn zukommen. Ich erlebe es selber täglich, dass in 80% der Telefonate nachgefragt wird, was „das alles kosten wird“. 

Im Herbst und Winter kommt noch die Tatsache dazu, dass man morgens im dunkeln zur Arbeit fährt und abends im dunkeln nach Hause. Der eigene Vitamin D Spiegel ist vermutlich im Keller. Für die eigene Psyche also alles andere als hilfreich. Spätestens Donnerstag ist die Luft raus. Der Freitag wird irgendwie gemeistert und das Wochenende wird mehr als dringend benötigt, um den eigenen Akku wieder zu laden. und dann ist da noch das Privatleben. Der Haushalt warte auch. Und der Kühlschrank ist leer. Da liegt die eigene Work-Life-Balance bei null. 

Vom Gesetzgeber  gibt vor, dass man dem Arbeitgeber eine „mittlere Arbeitsleistung“ schuldet . Hm. In medizinischen Berufen bedeutet eine nur mittlere Arbeitsleistung im schlimmsten Fall der Tod eines Patienten. Klar, in einem Büro kann ich die Rechnungen auch erst am Montag, anstatt am Freitag Nachmittag schreiben. Der Hund auf Station kann die Medikamente nicht erst am Montag erhalten.

„Was kostet das jetzt?“ Preiskommunikation ist wichtig! Und das am besten vor der Behandlung. Wenn es sich ein Besitzer, aus was für Gründen auch immer, nicht leisten kann,  die beste Behandlung zukommen zu lassen, so muss man gemeinsam eine Lösung für beide Seiten finden. 

Einfach alles zu machen und Dich als Mitarbeiter an der Rezeption, der kassiert alleine zu lassen, finde ich unverantwortlich. Ich verstehe, dass es den Tierärzten auch unangenehm ist, die Preise zu kommunizieren, weil eben dann auch dieser Druck bei Ihnen ist. Und sie haben das Studium nicht gemacht, um etwas zu verkaufen. 

Fakt ist, dass jeder Verkäufer, zum Beispiel in einem Autohaus, lernt, wie man verkauft. Wer sich einmal die Preise für diese Fortbildungen und Seminare angeschaut hat, da kann man schon einmal schlucken. Warum werden Verkäufer zu diesen Fortbildungen geschickt? Weil nur gut ausgebildete Verkäufer auch verkaufen, hochpreisig verkaufen und so Geld in die Kasse bringen. 

In der Humanmedizin wird das gemacht, was nötig ist und über die Krankenkasse abgerechnet. Wenn alle Tierbesitzer eine Krankenversicherung für ihren Hund oder Katze hätten und diese auch ausnahmslos alles bezahlen würden, wäre die Tiermedizin auf einem ganz anderen Stand. Und es würde viele Stressmomente eliminieren, weil das liebe Geld eben kein Thema mehr ist.

Mein Ansatz ist es, Dir und anderen Kolleg:innen in der Veterinärmedizin Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Du und sie es in ihrer Praxis / Klinik schaffen, mit dem richtigen Marketing die Besitzer aufzuklären, das eigenen Mindset und das eigenen Selbstvertrauen so zu stärken, dass die negativen Stressmomente besser gemeistert werden können und eine Work-Life-Balance entsteht, die den Akku auch unter der Woche lädt.

Meine Name ist Katrin Rahn, ich arbeite seit fast 30 Jahren in der Veterinärmedizin. Zur Zeit als Praxismanagerin in eine Kleintierpraxis auf Klinikniveau in Bremen. 

Durch Fortbildungen, Seminare und einen Mentor, den ich mir gesucht habe, habe ich mich selber aus einem Burn-Out gekämpft. Damals wusste ich nicht, dass man das so nennt.  Deshalb weiß ich, wie wichtig die oben genannten Punkte sind.